ADHS im Kindes- und Erwachsenenalter
Orientierung und praktische Hilfestellungen für Betroffene, Eltern und Angehörige Überarbeitete Fassung 2026 · Torsten Sochorick · vivum – Systemische Fachpraxis für Therapie, Neurofeedback und Coaching

ADHS verstehen – und im Alltag besser damit umgehen
Manche Texte begleiten einen über viele Jahre.Meine ersten Notizen zu diesem Thema entstanden bereits Anfang der 2000er-Jahre während meiner pädagogischen und therapeutischen Ausbildung. Seitdem habe ich immer wieder Erfahrungen, Gedanken und praktische Anregungen ergänzt – aus Fortbildungen, Fachliteratur und vor allem aus der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und ihren Familien.Jetzt war es an der Zeit, diese Sammlung neu zu betrachten und auf meinen heutigen fachlichen und therapeutischen Stand zu bringen.Entstanden ist daraus ein kleiner Leitfaden über ADHS im Kindes- und Erwachsenenalter und über die Frage, was im täglichen Miteinander tatsächlich hilfreich sein kann.Dabei geht es mir nicht um starre „Verhaltensregeln“.Es geht um Verstehen statt vorschnelles Bewerten.Um Orientierung statt Schuldzuweisung.Um klare Grenzen und gleichzeitig Wertschätzung.Und um die Frage: Was können wir gemeinsam anders machen?In den kommenden Beiträgen möchte ich einige Teile dieses Leitfadens hier vorstellen – unter anderem zu ADHS in Beziehungen, zum Umgang mit Kindern und zu hilfreichen Haltungen für Eltern und Angehörige.Denn ADHS erklärt manches Verhalten – aber es definiert nicht den Menschen.
Einleitung
ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist eine neuroentwicklungsbezogene Störung, die in der Kindheit beginnt und bei einem Teil der Betroffenen bis ins Erwachsenenalter fortbesteht. Die Ausprägung kann sich im Lebensverlauf verändern: Sichtbare motorische Unruhe tritt bei Erwachsenen häufig in den Hintergrund, während innere Unruhe, Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit, Impulssteuerung, Organisation oder Emotionsregulation weiter eine Rolle spielen können.
ADHS ist zugleich mehr als eine Aufzählung von Defiziten. Menschen mit ADHS unterscheiden sich erheblich voneinander und bringen individuelle Fähigkeiten, Interessen und Ressourcen mit. Entscheidend ist deshalb nicht allein, ob einzelne Symptome vorhanden sind, sondern wie stark sie den Alltag, Beziehungen, Schule, Ausbildung, Beruf und die persönliche Lebensqualität beeinträchtigen.
Dieses Papier ist als Orientierung und praktische Hilfestellung gedacht. Es ersetzt keine fachärztliche oder psychotherapeutische Diagnostik und keine individuelle Behandlungsplanung.
Wie häufig ist ADHS?
Internationale und deutsche Daten zeigen, dass ADHS zu den häufigeren neuroentwicklungsbezogenen Störungen gehört. Bei Kindern und Jugendlichen liegt die Häufigkeit in vielen Untersuchungen ungefähr im Bereich von fünf Prozent; bei Erwachsenen werden Größenordnungen um etwa 2,5 Prozent berichtet. Die genauen Werte hängen unter anderem von den verwendeten diagnostischen Kriterien und Untersuchungsmethoden ab.
Heute wird nicht mehr davon ausgegangen, dass ADHS sich bei allen Betroffenen im Erwachsenenalter „auswächst“. Symptome können sich verändern und teilweise abschwächen, zugleich können Schwierigkeiten der Selbstorganisation, Aufmerksamkeitssteuerung, Impulsivität oder Emotionsregulation weiterhin bedeutsam bleiben.
Wie entsteht ADHS?
ADHS lässt sich nicht auf eine einzelne Ursache oder eine einfache „Stoffwechselstörung“ reduzieren. Nach heutigem Verständnis entsteht sie aus einem komplexen Zusammenspiel biologischer und insbesondere genetischer Faktoren sowie individueller Entwicklungs- und Umweltbedingungen.
Beteiligt sind unter anderem neuronale Netzwerke und Botenstoffsysteme, die für Aufmerksamkeit, Motivation, Handlungsplanung, Impulskontrolle und Selbstregulation bedeutsam sind. Umweltbedingungen verursachen ADHS nicht einfach, können aber beeinflussen, wie stark Schwierigkeiten im Alltag sichtbar werden und welche Bewältigungsstrategien ein Mensch entwickelt.
Gerade wiederholte negative Rückmeldungen – etwa „Du strengst dich nicht an“, „Du bist faul“ oder „Du musst dich nur besser konzentrieren“ – können zusätzlich das Selbstbild belasten. Deshalb ist es wichtig, zwischen der neurobiologischen Ausgangslage und den Erfahrungen zu unterscheiden, die ein Mensch im Umgang damit macht.
Diagnostik
Eine ADHS-Diagnostik sollte umfassend erfolgen. Einzelne Symptome oder ein Fragebogen allein reichen nicht aus. Erfasst werden die aktuelle Symptomatik, die Entwicklung seit Kindheit und Jugend, Beeinträchtigungen in verschiedenen Lebensbereichen sowie mögliche andere Erklärungen für die Beschwerden.
Zur Differentialdiagnostik gehören je nach Situation beispielsweise depressive Erkrankungen, Angststörungen, Schlafstörungen, Traumafolgestörungen, Substanzkonsum oder andere psychische und körperliche Erkrankungen. Gleichzeitig können solche Störungen zusätzlich zu einer ADHS bestehen.
Eine sorgfältige Diagnostik fragt deshalb nicht nur: „Liegt ADHS vor?“, sondern auch: „Welche Schwierigkeiten bestehen konkret, welche Ressourcen sind vorhanden und welche Unterstützung ist für diesen Menschen sinnvoll?“
Behandlung und Unterstützung
Die Behandlung von ADHS sollte individuell geplant werden. Je nach Alter, Ausprägung, Beeinträchtigung, Begleiterkrankungen und persönlichen Präferenzen können Psychoedukation, psychotherapeutische oder verhaltenstherapeutische Ansätze, Coaching, Eltern- und Familienarbeit, medikamentöse Behandlung sowie weitere unterstützende Verfahren miteinander kombiniert werden.
Medikamente können bei vielen Betroffenen die Kernsymptomatik deutlich reduzieren, sind aber nicht für jeden Menschen gleichermaßen geeignet oder ausreichend. Häufig bleiben Fragen der Alltagsorganisation, Selbststeuerung, Beziehungsgestaltung oder des Umgangs mit langjährig entstandenen negativen Selbstbildern bestehen.
Neurofeedback kann als ergänzender Trainingsansatz eingesetzt werden. Dabei wird die eigene Gehirnaktivität rückgemeldet und die Selbstregulation trainiert. Ob und welches Neurofeedback-Protokoll sinnvoll ist, sollte individuell und unter Berücksichtigung der aktuellen Evidenz, der Symptomatik und des Behandlungsziels entschieden werden.
ADHS in Beziehungen – Empfehlungen für einen hilfreichen Umgang
ADHS beeinflusst nicht nur Aufmerksamkeit und Konzentration. Auch Impulsivität, emotionale Regulation, Kommunikation und der Umgang mit Konflikten können eine wichtige Rolle spielen. Gerade in engen Beziehungen kann dies zu Missverständnissen und wiederkehrenden Konflikten führen.
Dabei hilft es, ADHS nicht ausschließlich unter dem Blickwinkel von Defiziten zu betrachten. Menschen mit ADHS bringen individuelle Fähigkeiten, Ressourcen und Besonderheiten mit – gleichzeitig können bestimmte Verhaltensmuster für sie selbst und für ihr Umfeld belastend sein.
Was im gemeinsamen Umgang hilfreich sein kann
- ADHS verstehen statt Verhalten vorschnell bewerten. Nicht jedes schwierige Verhalten ist Absicht, Desinteresse oder mangelnde Wertschätzung. Wissen über ADHS kann helfen, bestimmte Reaktionen besser einzuordnen.
- Akzeptanz bedeutet nicht, alles hinzunehmen. Eine Diagnose kann helfen, eigene Verhaltensmuster zu verstehen. Sie sollte jedoch weder als Entschuldigung für alles dienen noch zu Schuldzuweisungen führen. Entscheidend ist die Frage: Was können wir künftig anders machen?
- Gespräche möglichst wertschätzend beginnen. Ein positiver Einstieg erleichtert es, auch schwierige Themen anzusprechen, ohne unmittelbar eine Abwehrhaltung auszulösen.
- Den passenden Rahmen wählen. Schwierige Gespräche müssen nicht unbedingt am Küchentisch stattfinden. Ein Spaziergang, eine Parkbank oder ein anderer neutraler Ort kann helfen, Anspannung zu reduzieren und Gedanken besser zu sortieren.
- Auf Schuldzuweisungen verzichten. Statt „Du machst immer …“ oder „Du bist …“ sind konkrete Beobachtungen und die Beschreibung der eigenen Bedürfnisse meist hilfreicher.
- Zuhören, bevor Lösungen gesucht werden. Manchmal braucht es zunächst das Gefühl, verstanden worden zu sein. Nicht jedes Problem muss sofort gelöst werden.
- Gefühle wahrnehmen, ohne sie dem anderen zuzuschreiben. Emotionen dürfen benannt und ernst genommen werden. Fragen wie „Was passiert gerade bei dir?“ lassen mehr Raum als vermeintlich sichere Deutungen.
- Eine Unterbrechung kann sinnvoll sein. Verlässt jemand eine hoch emotionale Situation, muss dies nicht automatisch als Ablehnung verstanden werden. Manchmal braucht das Nervensystem zunächst Abstand. Wichtig ist, das Gespräch später wieder aufzunehmen.
- Ressourcen im Blick behalten. Fähigkeiten, Erfolge und positive Veränderungen sollten ebenso wahrgenommen werden wie Probleme.
- Erwartungen überprüfen. Aus festen Erwartungen können Wünsche und gemeinsam ausgehandelte Vereinbarungen werden.
- Rückschläge gehören zu Veränderungsprozessen. Alte Verhaltensmuster verschwinden selten von heute auf morgen. Ein Rückfall in bekannte Reaktionen bedeutet nicht, dass bisherige Fortschritte wertlos sind.
- Scham nicht unterschätzen. Wiederholte Kritik, Misserfolge und das Gefühl, Erwartungen nicht zu erfüllen, können über viele Jahre Spuren hinterlassen. Hinter Rückzug, Rechtfertigung oder heftigen Reaktionen können deshalb auch Scham und Selbstzweifel stehen.
- Rückhalt geben und gleichzeitig Grenzen wahren. Unterstützung bedeutet nicht Selbstaufgabe. Eine tragfähige Beziehung braucht Verständnis ebenso wie klare persönliche Grenzen und gegenseitige Verantwortung.
- Veränderung braucht Hoffnung und Selbstwirksamkeit. Entscheidend ist nicht, perfekt zu funktionieren, sondern zunehmend einen eigenen hilfreichen Umgang mit den persönlichen Besonderheiten zu entwickeln.
ADHS erklärt manches Verhalten – aber es definiert nicht den Menschen. In Beziehungen geht es deshalb nicht darum, einen Menschen mit ADHS „richtig zu behandeln“. Es geht darum, einander besser zu verstehen, Unterschiede anzuerkennen und gemeinsam Wege zu entwickeln, mit denen beide Seiten gut leben können.
Konflikte mit Kindern entschärfen – 10 praktische Anregungen für Eltern
1. Zeit und Raum geben. Beim Lernen oder bei Aufgaben kann es hilfreich sein, dem Kind einen überschaubaren Rahmen zu geben und innerhalb dieses Rahmens eigene Lösungswege zuzulassen. Begleiten Sie eher als Beraterin oder Berater, statt dauerhaft Druck aufzubauen.
2. Auf gelingende Situationen achten. Beobachten Sie, wann Konzentration, Kooperation oder Selbststeuerung gut funktionieren. Fragen Sie sich: Was war in dieser Situation anders – und wie lässt sich davon mehr in den Alltag übertragen?
3. Wahlmöglichkeiten anbieten. Begrenzte Wahlmöglichkeiten stärken Selbstwirksamkeit, zum Beispiel: „Möchtest du die Hausaufgaben direkt nach der Schule beginnen oder nach dem Essen?“ Die Aufgabe selbst bleibt dabei verbindlich.
4. Mit Ich-Botschaften und konkreten Beobachtungen sprechen. Beschreiben Sie, was Sie wahrnehmen und was Sie brauchen, statt das Kind als Person zu bewerten.
5. Rückmeldungen zeitnah geben. Für viele Kinder mit ADHS sind unmittelbare, nachvollziehbare Rückmeldungen hilfreicher als Konsequenzen, die erst Stunden oder Tage später erfolgen. Konsequenzen sollten logisch, angemessen und vorhersehbar sein.
6. Die eigene Regulation mitdenken. Lautstärke, Drohungen und Eskalation verstärken häufig die gegenseitige Erregung. Eine ruhige, klare und verbindliche Kommunikation erleichtert Orientierung.
7. Nicht jeden Konflikt bis zum Ende austragen. Bei hoher emotionaler Erregung sinkt die Fähigkeit, zuzuhören und Lösungen zu finden. Eine vereinbarte Pause kann hilfreicher sein als die „große Schlacht“.
8. Belastungszeiten berücksichtigen. Nach einem langen Schul- oder Betreuungstag können Aufmerksamkeit und Selbstregulation erschöpft sein. Planen Sie Anforderungen, Pausen, Bewegung, Essen und – falls relevant – den individuellen Wirkverlauf einer Medikation mit.
9. Beim Beruhigen unterstützen. In einer Eskalation helfen kurze Sätze, wenig Diskussion und eine klare Haltung. Erst wenn wieder ausreichend Ruhe vorhanden ist, sollte über Auslöser, Verantwortung und mögliche Lösungen gesprochen werden.
10. Frühe Signale erkennen. Albernheit, Provokation, motorische Unruhe, Rückzug oder zunehmende Lautstärke können Hinweise auf Überforderung sein. Je früher diese Signale wahrgenommen werden, desto eher kann gemeinsam gegengesteuert werden.
10 Grundsätze im Umgang mit Kindern mit ADHS
1. Erwartungen klar und konkret formulieren. Kinder profitieren davon, wenn sie wissen, was jetzt von ihnen erwartet wird. Freundlichkeit und Verbindlichkeit schließen sich nicht aus. Versprechen sollten nur gegeben werden, wenn sie auch eingehalten werden können.
2. Aufträge überschaubar machen. Eine Aufgabe nach der anderen, kurze Sätze und bei Bedarf eine Wiederholung sind oft hilfreicher als lange Erklärungen. Körperkontakt zur Aufmerksamkeitslenkung sollte nur genutzt werden, wenn das Kind dies kennt und als angenehm erlebt.
3. Widerstand nicht sofort persönlich nehmen. Protest oder Motzen können Ausdruck von Frust, Überforderung oder mangelnder Impulskontrolle sein. Das Verhalten darf begrenzt werden, ohne das Kind als Person abzuwerten.
4. Bei hoher Erregung Reize reduzieren. Eine ruhigere Stimme, weniger Worte und gegebenenfalls weniger direkter Blickkontakt können helfen. Entscheidend ist nicht eine starre Regel, sondern wahrzunehmen, wodurch das einzelne Kind sich besser regulieren kann.
5. Klare Strukturen und vorhersehbare Regeln schaffen. Visualisierungen, Tagespläne, Erinnerungen und positive Verstärkung können unterstützen. Wenn Konsequenzen notwendig sind, sollten sie nachvollziehbar, verhältnismäßig und möglichst logisch mit der Situation verbunden sein.
6. Vereinbarungen nachhalten. Kontrollieren Sie nicht misstrauisch, sondern unterstützend, ob eine Aufgabe erledigt wurde. Wenn etwas nicht geklappt hat, fragen Sie nach dem Hindernis und helfen Sie, den nächsten Schritt zu planen.
7. Anstrengung und Fortschritt rückmelden. Loben Sie konkret: nicht nur „Super!“, sondern beispielsweise „Du bist trotz Ablenkung wieder zur Aufgabe zurückgekehrt.“ So wird sichtbar, welches Verhalten hilfreich war.
8. Nicht alles gleichzeitig korrigieren. Priorisieren Sie. Dauernde Kritik an Kleinigkeiten erhöht Frustration und lässt Erfolge unsichtbar werden. Bleiben Sie in wichtigen Punkten bestimmt, ohne zu verallgemeinern.
9. Übergänge vorbereiten. Unerwartete Änderungen können besonders anstrengend sein. Kündigen Sie Wechsel möglichst rechtzeitig an und geben Sie Orientierung darüber, was als Nächstes passiert. Unterstützen Sie Selbstständigkeit dort, wo sie bereits gelingt, und bauen Sie sie schrittweise aus.
10. Grundsatzgespräche in ruhigen Momenten führen. Beginnen Sie mit dem, was gelungen ist, benennen Sie anschließend konkret das Problem und entwickeln Sie möglichst gemeinsam eine nächste Vereinbarung. Kurze, klare Gespräche sind oft wirksamer als lange Vorträge.
Richtlinien für eine tragfähige Partnerschaft
1. Den Partner oder die Partnerin als Person annehmen – ohne deshalb jedes Verhalten akzeptieren zu müssen.
2. Wertschätzung nicht nur denken, sondern zeigen. Sprechen Sie aus, was Sie am anderen schätzen und was gut gelingt.
3. Offen und wahrhaftig kommunizieren. Vermutungen über Motive des anderen sollten durch Nachfragen ersetzt werden.
4. Meinungsunterschiede besprechen, ohne daraus einen Kampf um Recht oder Unrecht zu machen. Interesse an der Perspektive des anderen ist wichtiger als ein schneller Sieg.
5. Die Ziele des Partners oder der Partnerin unterstützen, ohne die Verantwortung für deren Umsetzung zu übernehmen.
6. Fehler und Entwicklung zulassen. Veränderung braucht Lernräume und die Möglichkeit, etwas erneut zu versuchen.
7. Forderungen und starre Erwartungen in Wünsche übersetzen und daraus gemeinsam realistische Ziele oder Vereinbarungen entwickeln.
8. Eigene Gefühle und Bedürfnisse möglichst in Ich-Botschaften ausdrücken. Nicht: „Du machst mich wahnsinnig“, sondern beispielsweise: „Ich merke, dass ich gerade sehr angespannt bin und eine Pause brauche.“
Ein Memorandum vom Kind für die Eltern
1. Verwöhne mich nicht. Ich weiß ganz Gut, dass ich nicht alles, was ich verlange, haben muss. Ich teste dich ja nur.
2. Hab keine Angst, mit mir bestimmt umzugehen. Ich ziehe es vor. Dann weiß ich, woran ich bin.
3. Zwing mich nicht. Das lehrt mich, dass nur Macht zählt. Ich reagiere besser auf Anleitung.
4. Sei nicht wechselhaft. Das verwirrt mich, und ich versuche desto mehr, alles zu erreichen, was ich will.
5. Mach keine Versprechungen, es könnte sein, dass du sie nicht einhalten kannst. Das erschüttert mein Vertrauen zu dir.
6. Falle nicht auf meine Herausforderungen hinein, wenn ich etwas sage oder tue, nur um dich aus der Fassung zu bringen. Dann werde ich nämlich versuchen, noch mehr solche „Siege“ zu erringen.
7. Sorge dich nicht zu sehr, wenn ich sage: „ Ich hasse dich“! Ich meine es ja nicht so, ich möchte nur, dass es dir leid tut, wenn du mir etwas angetan hast.
8. Mache nicht, dass ich mich kleiner fühle, als ich bin. Dann werde ich mich nämlich wie ein toller Kerl benehmen.
9. Tu nichts für mich, was ich selbst tun kann. Dann fühle ich mich wie ein Baby und stelle dich weiterhin in meine Dienste.
10. Befass dich nicht zu sehr mit meinen schlechten Gewohnheiten. Das veranlasst mich nämlich, sie zu behalten.
11. Korrigiere mich nicht vor anderen Leuten. Es beeindruckt mich viel mehr, wenn du ruhig und allein mit mir sprichst.
12. Versuche nicht, mein Benehmen während eines Streites zu besprechen. Aus bestimmten Gründen kann ich zu dieser Zeit nicht so gut zuhören und meine Mitarbeit ist noch schlechter. Du kannst ja handeln, aber besprechen sollten wir es später.
13. Versuche nicht zu predigen. Du wirst dich wundern, wie gut ich weiß, was richtig oder falsch ist.
14. Sag mir nicht, dass meine Fehler Sünden sind. Ich muss lernen Fehler zu machen, ohne zu glauben, dass ich darum schlecht bin.
15. Nörgele nicht. Um mich zu schützen, muss ich tun, als ob ich taub wäre.
16. Verlange keine Erklärungen für mein falsches Benehmen. Ich weiß wirklich nicht, warum ich es getan habe.
17. Stelle meine Ehrlichkeit nicht infrage: Ich bekomme leicht Angst und erzähle Lügen.
18. Vergiss nicht, dass ich gern Experimente mache. Ich lerne davon, darum lass mich doch.
19. Schütze mich nicht vor Folgen. Ich muss aus Erfahrungen lernen.
20. Schenke meinen kleinen Leiden nicht so viel Aufmerksamkeit. Es könnte sein, dass ich sonst eine schwache Gesundheit zu schätzen lerne, wenn Sie mir soviel Aufmerksamkeit einträgt.
21. Entzieh dich nicht, wenn ich wirklich etwas wissen will. Sonst wirst du merken, dass ich aufhöre zu fragen und mir Antworten woanders suche.
22. Beantworte dumme oder bedeutungslose Fragen nicht. Ich möchte mich nur mit dir beschäftigen.
23. Denk nicht, es sei unter deiner Würde, dich bei mir zu entschuldigen. Eine ehrliche Entschuldigung erzeugt in mir warme Gefühle dir gegenüber.
24. Deute nie an, dass du perfekt und unfehlbar bist. Du wärst ein zu großartiges Vorbild für mich.
25. Sorg dich nicht, dass du wenig Zeit für mich hast. Was zählt, ist wie wir diese Zeit verbringen.
26. Werde nicht ängstlich, wenn ich mich fürchte. Denn dann, werde ich noch furchtsamer. Zeig mir lieber Mut.
27. Vergiss nicht, dass ich ohne sehr viel Verständnis und Ermutigung nicht gedeihen kann. Aber das brauche ich dir doch gar nicht zu sagen, oder?
28. Behandle mich, wie du deine Freunde behandelst, dann werde ich auch dein Freund sein.
29. Denk daran, dass ich mehr von einem Vorbild, als von einem Kritiker, lerne.
Quelle Memorandum: Vicky Solz, Chicago, Adler-Schoenacker-Insitut
Hinweis und Quellenbasis der Überarbeitung
Die vorliegende Fassung wurde 2026 aus dem über viele Jahre zusammengestellten Praxistext von Torsten Sochorick überarbeitet. Die fachliche Aktualisierung orientiert sich insbesondere an der deutschen S3-Leitlinienarbeit zu ADHS sowie an aktuellen diagnostischen Grundsätzen.
Quelle Memorandum: Vicky Solz, Chicago, Adler-Schoenacker-Insitut .
Torsten Sochorick I vivum – Systemische Fachpraxis für Therapie, Neurofeedback und Coaching
Ernst-Friedrich-Gottschalk-Weg 3 I 79650 Schopfheim
Tel. +49 7622 6672256 I info@vivum-therapie.de I www.vivum-therapie.de
Alles beginnt mit einer kleinen Entscheidung.
