Diagnose

Depression und Neurofeedback

Das Gehirn neu ins Gleichgewicht bringen

Charakteristika

Was versteht man unter einer Depression?

Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und äußern sich weit über eine vorübergehende Niedergeschlagenheit hinaus. Typisch sind anhaltende gedrückte Stimmung, Interessen- und Freudlosigkeit, Erschöpfung, Antriebsmangel sowie kognitive Beeinträchtigungen wie Konzentrations- und Gedächtnisprobleme. Häufig kommen Schlafstörungen, innere Unruhe, Grübelneigung oder ein Gefühl von innerer Leere hinzu. Depressionen können episodisch oder chronisch verlaufen und unterschiedliche Schweregrade annehmen.

Welche Herausforderungen entstehen?

Für Betroffene bedeutet eine Depression oft einen tiefgreifenden Verlust an Lebensenergie, Selbstwirksamkeit und innerer Orientierung. Alltägliche Anforderungen werden als überfordernd erlebt, soziale Kontakte ziehen sich zurück, und das Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit schwindet. Auch Angehörige stehen häufig vor der Herausforderung, Hilflosigkeit, Sorge und Unsicherheit auszuhalten.

Therapeutisch stellt sich die Aufgabe, sowohl emotionale als auch körperlich-neurobiologische Regulationsprozesse wieder in Bewegung zu bringen.

Emotional-affektive und kognitive Merkmale von Depression

  • Anhaltend gedrückte Stimmung
    Traurigkeit, Niedergeschlagenheit oder ein „Dauertief“, das nicht mehr situationsabhängig schwankt.
  • Interessen- und Freudverlust
    Tätigkeiten, Beziehungen oder Themen, die früher bedeutsam waren, lösen kaum noch positive Emotionen aus.
  • Innere Leere oder Gefühlsabstumpfung
    Betroffene berichten häufig, „nichts mehr zu spüren“ – weder Freude noch echte Trauer.
  • Hoffnungslosigkeit und Resignation
    Das Gefühl, dass sich die eigene Situation nicht mehr verbessern wird.
  • Erhöhte Reizbarkeit
    Besonders bei Kindern, Jugendlichen und auch bei Männern häufig statt offensichtlicher Traurigkeit.
  • Emotionale Überforderung
    Alltägliche Anforderungen werden als kaum bewältigbar erlebt.
  • Negatives automatisches Denken
    Anhaltend selbstabwertende Gedanken („Ich genüge nicht“, „Ich mache alles falsch“).
  • Grübeln und gedankliche Fixierung
    Wiederholtes, nicht lösungsorientiertes Kreisen um Probleme, Fehler oder Verluste.
  • Schuld- und Versagensgefühle
    Oft unangemessen oder realitätsfern, aber subjektiv sehr belastend.
  • Pessimistische Zukunftserwartung
    Die Überzeugung, dass kommende Ereignisse zwangsläufig negativ verlaufen werden.
  • Konzentrations- und Entscheidungsstörungen
    Schwierigkeiten, Informationen zu verarbeiten oder selbst einfache Entscheidungen zu treffen.
  • Sinn- und Wertlosigkeitserleben
    Zweifel an der eigenen Existenzberechtigung oder am Sinn des Lebens.
  • Suizidgedanken oder Todeswünsche
    Reichen von passiven Gedanken („Ich wäre lieber nicht da“) bis zu konkreten Vorstellungen
    immer ein ernst zu nehmendes Warnsignal!
  • Neurofeedback bei Depression

    Neurofeedback ist ein nicht-invasives, computergestütztes Therapieverfahren zur Förderung der Selbstregulation der Gehirnaktivität. Über EEG-Ableitungen erhält das Gehirn eine unmittelbare Rückmeldung über seine Aktivitätsmuster und kann lernen, diese schrittweise zu verändern.

    Bei depressiven Erkrankungen geht es nicht um eine schnelle Stimmungsaufhellung, sondern um den Aufbau von Stabilität, Aktivierung und innerer Balance. 

    Neurofeedback kann dabei unterstützen,

    • Antrieb und Wachheit zu fördern,
    • Grübel- und Rückzugstendenzen zu reduzieren,
    • emotionale Regulation zu stabilisieren,
    • Schlaf-Wach-Rhythmen zu verbessern,
    • das Erleben von Selbstwirksamkeit schrittweise wieder aufzubauen.

    Lösungsansatz in meiner Praxis

    Depressionen sind häufig mit veränderten Aktivitäts- und Regulationsmustern im Gehirn verbunden, beispielsweise einer Dysbalance zwischen aktivierenden und hemmenden Prozessen (sogenannte ereigniskorrelierte langsame kortikale Potentiale - SCP´s).
    Ein weiterer methodischer Ansatz ist das A-Score-Training. Bei depressiven Symptombildern zeigen sich dabei häufig erhöhte Theta- und Alpha-Aktivität in der linken Frontalhemisphäre im Vergleich zur rechten Seite. Diese Asymmetrie steht in Zusammenhang mit verminderter Aktivierung, reduziertem Antrieb und eingeschränkter emotionaler Regulation. Das A-Score-Training setzt gezielt an dieser funktionellen Ungleichverteilung am Frontallappen an.
    Durch differenziertes Neurofeedback erhält das Gehirn Rückmeldung über seine Aktivitätsmuster und wird dabei unterstützt, aktivierende und regulierende Prozesse ausgewogener zu organisieren. Ziel ist es, die neuronale Flexibilität zu erhöhen und Voraussetzungen für mehr Handlungsbereitschaft, emotionale Stabilität und kognitive Präsenz zu schaffen.
    Das Training erfolgt ressourcenorientiert, ohne Leistungsdruck und in einem geschützten Rahmen. Besonders wichtig ist dabei die behutsame Herangehensweise, um Überforderung zu vermeiden.

    Diagnostik

    Zu Beginn steht ein ausführliches Anamnesegespräch, um die individuelle Situation zu erfassen. Ergänzend können Testungen und Fragebögen eingesetzt werden. Im weiteren Verlauf wird ein 6-Kanal-EEG abgeleitet, um die kognitive Gehirnleistungsfähigkeit genauer beurteilen zu können.

    Einbindung in ein ganzheitliches Therapiekonzept

    Neurofeedback ist in meiner Praxis Teil eines ganzheitlichen therapeutischen Ansatzes. Es wird kombiniert mit systemischer Therapie, begleitenden Gesprächen, Achtsamkeitselementen sowie – bei Bedarf – weiteren stabilisierenden Interventionen. Ziel ist es, emotionale, kognitive und körperliche Ebenen miteinander zu verbinden und nachhaltige Veränderungsprozesse zu ermöglichen.

    Für wen ist Neurofeedback geeignet?

    Neurofeedback kann eine sinnvolle Ergänzung sein für: Menschen mit leichten bis mittelgradigen Depressionen, Personen mit wiederkehrenden depressiven Episoden, Betroffene mit begleitender Erschöpfung, Schlafstörungen oder innerer Unruhe, Menschen, die eine ergänzende, nicht-medikamentöse Unterstützung suchen. Eine individuelle Abklärung und sorgfältige Indikationsstellung sind dabei immer Voraussetzung.

    Ziel der Begleitung

    Im Mittelpunkt steht nicht die schnelle Symptomreduktion, sondern der Aufbau von innerer Stabilität, Selbstregulation und Handlungsspielraum. Neurofeedback kann helfen, wieder Zugang zu eigenen Ressourcen zu finden und Schritt für Schritt neue Perspektiven im Erleben und Handeln zu entwickeln.

    Alles beginnt mit einer kleinen Entscheidung.

    Portrait Torsten Sochorick