Diagnosen

Epilepsie und Neurofeedback

„Wenn das Nervensystem sensibler reagiert – und Wege der Regulation erlernt.“

Was ist Epilepsie?

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch eine anhaltende Bereitschaft des Gehirns zu epileptischen Anfällen gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch vorübergehende, pathologische Synchronisation und Entladungen von Nervenzellverbänden im Gehirn.
Die klinischen Erscheinungsformen sind vielfältig und reichen von kurzen Bewusstseinsveränderungen oder motorischen Phänomenen bis hin zu generalisierten tonisch-klonischen Anfällen. Unabhängig von der Anfallsform erleben viele Betroffene Einschränkungen im Alltag, Unsicherheit sowie psychosoziale Belastungen, etwa durch die Angst vor weiteren Anfällen.

Welche Herausforderungen entstehen?

Für Menschen mit Epilepsie bedeutet die Erkrankung häufig ein Leben mit Unvorhersehbarkeit. Die Sorge vor erneuten Anfällen, mögliche Nebenwirkungen antiepileptischer Medikation sowie Einschränkungen in Schule, Beruf oder sozialem Leben können die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen.

Auch Angehörige sind oft stark eingebunden und mit Belastungen wie Sorge, Überforderung oder Hilflosigkeit konfrontiert.
Therapeutisch besteht die Herausforderung darin, die neuronale Übererregbarkeit möglichst zu reduzieren, Stabilität zu fördern und den Umgang mit der Erkrankung zu unterstützen – stets ergänzend zu einer medizinisch-neurologischen Behandlung.

Neurofeedback bei Epilepsie

Neurofeedback ist ein nicht-invasives, EEG-basiertes Trainingsverfahren, das auf die Förderung der Selbstregulation neuronaler Aktivität abzielt. Über visuelle oder akustische Rückmeldungen erhält das Gehirn Informationen über bestimmte Aktivitätsmuster, wodurch Lernprozesse der Regulation unterstützt werden können.

In der Epilepsiebehandlung wird Neurofeedback nicht als Ersatz, sondern ausschließlich als ergänzende Maßnahme zur ärztlichen Therapie eingesetzt. Ziel ist es, Bedingungen für eine erhöhte neuronale Stabilität zu schaffen und den Umgang mit anfallsrelevanter Erregungsdynamik positiv zu beeinflussen.

Mögliche unterstützende Effekte können sein:

  • Förderung von Stabilität und Regulation,
  • Reduktion von Stress und innerer Anspannung,
  • Verbesserung von Aufmerksamkeit und Konzentration,
  • Stärkung des subjektiven Sicherheits- und Kontrollgefühls.

Für wen ist Neurofeedback geeignet?

Neurofeedback kann eine ergänzende Unterstützung sein für:

  • Menschen mit fachärztlich diagnostizierter Epilepsie,
  • Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit fokalen oder generalisierten Anfallsformen,
  • Betroffene mit erhöhter Stressbelastung, Anspannung oder begleitenden Aufmerksamkeitsproblemen,
  • Familien, die sich eine zusätzliche, nicht-medikamentöse Begleitung wünschen.

Eine sorgfältige neurologische Abklärung, stabile Medikation sowie ärztliche Begleitung sind dabei immer Voraussetzung.

Lösungsansätze in meiner Praxis bei Epilepsie

Epileptische Anfälle stehen in Zusammenhang mit einer erhöhten Erregbarkeit bestimmter neuronaler Netzwerke. Neurofeedback setzt hier an, indem spezifische Trainingsprotokolle genutzt werden, die stabilisierende und hemmende Regulationsmechanismen unterstützen können.
In der Praxis haben sich insbesondere Trainingsansätze zu langsamen kortikalen Potentialen (SCP) sowie zum sensorimotorischen Rhythmus (SMR) bewährt, die auch in der Forschung im Zusammenhang mit Epilepsie untersucht wurden.
Das Training erfolgt individuell angepasst, mit niedriger Intensität und unter enger therapeutischer Begleitung. Sicherheit, Verträglichkeit und eine kontinuierliche Beobachtung stehen dabei stets im Vordergrund.

Einbindung in ein ganzheitliches Therapiekonzept

Neurofeedback ist in meiner Praxis Teil eines ganzheitlichen, systemisch orientierten Begleitkonzepts. Es wird eingebettet in unterstützende Gespräche, Psychoedukation sowie – bei Bedarf – achtsamkeitsbasierte und stabilisierende Interventionen. 

Sorgfältige Abklärung

Eine sorgfältige Abklärung der individuellen Situation ist dabei immer Voraussetzung.
Eine enge Abstimmung mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten wird ausdrücklich empfohlen und vorausgesetzt.

Ziel der therapeutischen Begleitung

Im Mittelpunkt stehen die Förderung von Sicherheit, Stabilität und Selbstregulationsfähigkeit. Neurofeedback kann dazu beitragen, das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung und den Umgang mit neurophysiologischen Prozessen zu stärken und so die Lebensqualität im Alltag unterstützend zu verbessern.

Integration von Familie

Die Neurofeedbacktherapie bei der Begleitung von Menschen mit Epilepsie ist ein Teil meines multimodalen Ansatzes, bei dem die Integration von Familie und Partner*In einen weiteren wichtigen Baustein für einen positiven Behandlungsverlauf darstellen.

Alles beginnt mit einer kleinen Entscheidung.

Portrait Torsten Sochorick