Diagnosen

Migräne und Neurofeedback

„Regulation fördern – Selbstverantwortung stärken – verantwortungsvoll begleiten.“

Grundhaltung in meiner Arbeit

Migräne verstehe ich nicht als isoliertes Schmerzphänomen, sondern als Ausdruck komplexer neurobiologischer Regulationsprozesse. In meiner Arbeit geht es nicht um kurzfristige Symptomkontrolle, sondern um ein vertieftes Verständnis der eigenen Reiz- und Stressverarbeitung sowie um den schrittweisen Aufbau stabiler Selbstregulationsfähigkeiten.

Neurofeedback ist dabei kein rein technisches Verfahren, sondern Teil eines begleiteten Lernprozesses, der Sicherheit, Achtsamkeit und Selbstwirksamkeit in den Mittelpunkt stellt. Die medizinische Behandlung bildet stets die Grundlage; meine Arbeit versteht sich ausdrücklich als ergänzende, fachspezifische Begleitung.

Migräne als neurobiologische Regulationsproblematik

Migräne ist eine komplexe neurobiologische Erkrankung, die mit einer veränderten zentralnervösen Reizverarbeitung und einer erhöhten kortikalen Sensitivität einhergeht. Wiederkehrende Kopfschmerzattacken, häufig begleitet von sensorischer Überempfindlichkeit, Übelkeit oder neurologischen Symptomen, führen bei vielen Betroffenen zu erheblichen Einschränkungen im Alltag.

Neben der akuten Schmerzbelastung erleben viele Menschen mit Migräne ein anhaltendes Gefühl von Unsicherheit, Kontrollverlust und eingeschränkter Belastbarkeit. Aus einer Regulationsperspektive kann Migräne auch als Beeinträchtigung der Fähigkeit verstanden werden, Aktivierungs- und Entspannungszustände flexibel zu steuern. Genau an dieser Schnittstelle setzt meine begleitende Arbeit an.

Neurofeedback als ergänzender Lern- und Regulationsprozess

Neurofeedback ist ein nicht-invasives, EEG-basiertes Therapieverfahren, das neuronale Aktivitätsmuster über einen Monitor rückmeldet und dadurch selbstregulatorische Lernprozesse unterstützt. Es ersetzt keine medizinische oder pharmakologische Behandlung, sondern ergänzt diese um eine erfahrungsorientierte und ressourcenbezogene Perspektive.

Im Kontext von Migräne geht es nicht um eine „Normalisierung“ des Gehirns oder um Heilungsversprechen, sondern um den bewussteren Umgang mit Aktivierungs- und Entspannungszuständen. Ziel ist es, Übererregung, Stressdynamiken und innere Anspannung differenzierter wahrzunehmen und schrittweise regulieren zu lernen.

Für wen ist diese Begleitung geeignet?

Dieses Angebot richtet sich an Menschen mit dianostizierter Migräne, die:

  • ihre Selbsregulationsfähigkeit stärken möchten,
  • sensibel auf Stress und Reize reagieren,
  • eine ergänzende, nicht-medikamentöse Begleitung suchen und
  • bereit sind, aktiv und reflektiert an ihrem Umgang mit der Erkrankung zu arbeiten.

Lösungsansätze in meiner Praxis: SCP-Training bei Migräne – mein fachlicher Schwerpunkt

Ein besonderer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf dem Training "langsamer kortikaler Potentiale (SCP)". Diese stehen in Zusammenhang mit der allgemeinen kortikalen Erregungsbereitschaft sowie mit der Fähigkeit, zwischen Aktivierung und Entspannung flexibel zu wechseln. Im SCP-Training lernen Klientinnen und Klienten, subtile innere Zustände besser wahrzunehmen und schrittweise zu beeinflussen. Gerade bei Migräne, die häufig mit erhöhter Reizoffenheit, Stresssensitivität und schneller Überlastung einhergeht, kann dieser Ansatz im Rahmen eines begleiteten Lernprozesses unterstützend wirken.
Ich arbeite bewusst mit niedriger Intensität, klarer Struktur und ausreichenden Pausen. Sicherheit, Überforderungsschutz und eine achtsame, individuelle Begleitung haben dabei höchste Priorität.

Einbindung in ein ganzheitliches, systemisches Konzept

Neurofeedback ist in meiner Praxis eingebettet in ein systemisch orientiertes Begleitkonzept. Dazu gehören – je nach Bedarf:
- psychoedukative Gespräche zum besseren Verständnis von Migräne, Stress- und Triggerdynamiken

- Reflexion von Belastungs-, Beziehungs- und Lebenskontexten

- stabilisierende und achtsamkeitsbasierte Interventionen.

Ziel ist es nicht nur, einzelne Symptome zu beeinflussen, sondern den Umgang mit Belastung, Anspannung und Selbstfürsorge nachhaltig zu verändern.  

Sorgfältige Abklärung

Eine sorgfältige Abklärung der individuellen Situation ist dabei immer Voraussetzung.
Eine enge Abstimmung mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten wird ausdrücklich empfohlen und vorausgesetzt.

Ziel der therapeutischen Begleitung

Ziel ist nicht die schnelle Symptomlösung, sondern der Aufbau von Stabilität, Sicherheit und Selbstwirksamkeit. Neurofeedback – insbesondere das SCP-Training – kann dabei helfen, die eigene neurobiologische Sensitivität besser zu verstehen und den Alltag mit Migräne achtsamer, kompetenter und selbstbestimmter zu gestalten.

Integration von Familie

Die Neurofeedbacktherapie bei der Begleitung von Menschen mit Migräne ist ein Teil meines multimodalen Ansatzes, bei dem die Integration von Familie und Partner*In einen weiteren wichtigen Baustein für einen positiven Behandlungsverlauf darstellen.

Alles beginnt mit einer kleinen Entscheidung.

Portrait Torsten Sochorick